Klimademo Hamburg

Klimaschutz: Macher fahren Bahn

Shared Mobility klingt gut. Wir sparen Energie und Platz, indem wir uns gemeinsame Wege und Fahrzeuge teilen. Wie ÖPNV, nur smarter. Doch während die Vision noch ihre wirtschaftliche Nische sucht, wird die Verkehrswende von anderen geschultert: den Öffentlichen und ihren Nutzern.

Mobilitätsservices – große Chancen treffen auf „schwierige Realitäten“
Neue Mobilitätsservices wie Free Floating Car Sharing, Mitfahrdienste, elektrische Mikromobilität und bald autonomes Fahren sollen eine wachsende urbane Mobilität mit weniger Verkehr und verringerten Emissionen schaffen. Immer mehr Hamburger, so heißt es, fahren schon heute „smart“ durch die Stadt und sind „Proud to share“. Doch die Gesamtrechnung will noch nicht aufgehen. Ein ruinöser Wettbewerb, teils schwierige rechtliche Hürden, hohe Investitionen plus laufende Kosten sowie vielerorts eine zu geringe Nachfrage hinterlassen auch bei manch finanzstarkem Player Spuren. „The Sky ist the Limit“, fasste Ex-Daimler-CEO Zetsche die Marktperspektiven noch beim Zusammenschluss der Mobility Services von Daimler und BMW in 2019 zusammen. Nach dem Rückzug von „Share Now“ im Februar 2020 in den USA und schweren Einschnitten in Europa, räumte man bei der in Hamburg wohlbekannten Plattform „extrem schwierige Realitäten“ ein.

Der Kunde ist erstmal nicht traurig über temporäre Unterauslastung der Sharing-Masse. Das Teilen wird dadurch sogar bequemer – man muss beim dynamischen Wechsel von neuen Services, Markennamen und benötigten Handy-Apps nur den Überblick behalten.
 

Der Autobesitz steht der Verkehrswende in der Stadt im Wege
Die gesellschaftlich und verkehrspolitisch angestrebten Effekte, nämlich die Verringerung der Summe von Autofahrten und der in den Städten herumstehenden Autos, stellen sich derweil nicht ein. Für einen Durchbruch müsste sich wie es scheint eine (klima-)effektive Wende vor allem in den Köpfen der urbanen Autobesitzer vollziehen. Denn kaum etwas steht der „Ökonomie des Teilens“ (Sharing Economy) so sperrig im Wege wie das eigene Auto, das ohnehin laufend Geld kostet und durch das Benutzen nur noch unwesentlich teurer wird. Noch hat etwa jeder zweite angemeldete Carsharing-Nutzer in Hamburg auch ein eigenes Auto. Besonders irritierend: Noch immer wachsen die privaten Zulassungszahlen in den Städten -­ zumal bei großen Vehikeln. Dabei heißt es seit Jahren, „die Jüngeren“ würden sich nicht mehr viel aus dem Autobesitz machen. Vielleicht wächst sich das private Auto ja eines Tages von allein aus den Köpfen und Städten heraus – kurzfristig sicher nicht.

Ein starker Öffentlicher Nahverkehr muss die Verkehrswende tragen
Wenn es nicht der Mentalitätswandel ist, der unsere Mobilität nachhaltiger werden lässt, dann muss der Impuls wohl aus der anderen Richtung kommen – vom Angebot. Diese treibende Rolle der Verkehrspolitik, die den Umstieg auf ressourceneffizienten Nahverkehr in Hamburg durch eine rundum überzeugende Abdeckung und Qualität erreichen soll, stellt einen Paradigmenwechsel in der städtischen Verkehrspolitik dar, so Christan Füldner, Pressesprecher der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten mit Rekordtempo am schrittweisen Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Die sogenannte zweite Mobilitätsoffensive, die historisch größte, die es im HVV je gab, wurde im Dezember 2019 eingeleitet. Sie bedeutet nicht nur engere Takte, mehr Kapazitäten und neue Bus- und Bahnlinien. Die Strategie besteht in einem flächendeckenden ÖPNV-Angebot, das gezielt durch „innovative Verkehrsangebote wie On-Demand-Shuttles und Sharing-Angebote“ ergänzt wird. In Summe soll bis zum Jahr 2030 die Vision des Hamburg-Taktes wahr werden: Eine Art städtische Mobilitätsgarantie, die sicherstellt, dass man in Hamburg „vom frühen Morgen bin in die Abendstunden innerhalb von fünf Minuten ein öffentliches Nahverkehrsangebot erreichen kann.“, so Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher. Mit den überwiegend als Zubringer gedachten innovativen Services soll sich die Zahl der ÖPNV-Nutzer im Verkehrsverbund um 50 Prozent steigern; insgesamt rund jede dritte Fahrt in Hamburg soll dann eine HVV-Fahrt sein (heute ist es etwa jede fünfte).
 

Der HVV auf dem Weg zum Mobilitätsverbund
Die Entwicklung lässt sich bereits an der Öffnung des HVV für andere Mobilitätsplattformen beobachten. Mit switchh vermarktet er seit Jahren eine eigene Plattform, die innovative Angebote im Verbundgebiet unter einem Dach mit Bus und Bahn zugänglich macht. Diese Initiative macht potenzielle Konkurrenten des Verkehrsmarktes zu Mobilitätspartnern. Zusammen mit den Angebotsverbesserungen soll sich daraus ein Gesamtangebot entwickeln, welches das private Auto in der Stadt mehr und mehr überflüssig macht. Auf dem Weg vom Verkehrsverbund zum Mobilitätsverbund strebt man weitere Partnerschaften an. Dabei will man vor allem die Buchungs- und Nutzungsprozesse all dieser Angebote noch stärker vereinheitlichen und in den HVV integrieren.

#actnow

– Dein heutiger Beitrag als nordbahn-Kunde
Soviel zum Zukunftsplan. Und in der Vergangenheit? Von dem im Jahr 1990 im Pariser Abkommen  vereinbarten Versprechen der Reduktion der Gesamtemissionen um 40 Prozent hat der wachsende Verkehrssektor bis heute ziemlich genau null Prozent erreicht. Trotz der Fortschritte bei Antriebstechnologien auf Straße und Schiene. Schafft die Politik jetzt die Wende? Nicht ohne uns.

Rund anderthalb Stunden ist der Ottonormalhamburger täglich mobil und schafft dabei ganze 40 Kilometer. 350 Tausend Berufspendler aus den umliegenden Kreisen (zwei drittel davon Autofahrer)  und weitere „Tagesbevölkerung“ heben diese Zahlen an. Für 17 Millionen Wege werden jeden Tag in der Metropolregion Hamburg Fahrtentscheidungen getroffen. Und die können einen großen Unterschied machen:

Aktuelle Auswertungen des Umweltbundesamt bescheinigen jedem, der z.B. die Regionalbahn anstelle des Autos nutzt, mehr als eine Halbierung der C02-Emission bei gleicher Strecke. Ein beachtlicher Hebel, der nicht nur bestätigt, dass der politische Weg der Angebotsoffensive die einzig effektive Strategie zur Verkehrswende ist. Man erkennt dabei aber auch, was unsere Klimabilanz den Millionen von Menschen verdankt, die schon heute Tag für Tag den klassischen Nahverkehr im Norden nutzen.

Wir jedenfalls finden, ÖPNV ist „Ride Sharing“ auf besonders smarte und zeitgemäße Art und sagen an dieser Stelle:

Danke, dass ihr nordbahn fahrt!

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