Signalstörung
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Warum stören uns Signale?

Was steckt hinter einer Signalstörung und warum Signale zu unserem Schutz sind, erklärt dir unser Lokführer Gordon in seinem ersten Gastbeitrag. Er fährt in unserem Netz Mitte, also zwischen Itzehoe/Wrist – Hamburg, und weiß aus seinem Alltag, was unsere Fahrgäste beschäftigt.

Hallo liebe nordbahn-Fahrgäste!

Haben Sie das auch schon erlebt? Sie stehen auf dem Bahnsteig, die Abfahrtszeit Ihrer nordbahn rückt näher und Sie sehen den Zug schon vor der Station stehen. Oder Ihr Zug hält auf freier Strecke. Und eben das ist das Problem: Er steht! Dabei sollte er doch fahren! Anders als manchmal vermutet, liegt das aber nicht daran, dass wir nordbahn-Lokführerinnen und Lokführer erst noch unseren Kaffee austrinken wollen, sondern daran, dass sich vor uns ein Signal befindet, das „Halt!“ anzeigt. Dazu möchte ich Ihnen kurz und vereinfacht das Signalsystem erläutern:

Die Strecke, die wir gemeinsam mit Regional-, Fern- und Güterzügen befahren, ist in einzelne Abschnitte unterteilt. Vor jedem Abschnitt steht ein Signal – das sind die Ampeln und Verkehrszeichen des Schienenverkehrs. Solange sich im betreffenden Abschnitt noch ein anderer Zug befindet, kann der nächste Zug nicht in den Abschnitt einfahren – er muss am „Halt!“-zeigenden Signal davor anhalten. Erst wenn der Zug vor uns den Abschnitt verlassen hat und sich hinter der berechneten Schutzstrecke (ergibt sich aus Streckengeschwindigkeit, Gefälle und Bremseigenschaften des Zuges) befindet, springt unser Signal auf „Fahrt!“ und wir können weiterfahren. Und weil diese Streckenblöcke – so die korrekte Bezeichnung – mitunter einige Kilometer lang sind, dauert das manchmal, obwohl der vorausfahrende Zug gefühlt schon längst über alle Berge ist.

Hin und wieder muss ich Ihnen per Durchsage mitteilen, dass wir eine Signalstörung haben. Signalstörung ist ein Sammelbegriff für Störungen in den Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik. Das können beispielsweise Äste auf den Gleisen, verkeilte Steine in einer Weiche, Überschwemmungen, kaputte LED-Lampen oder Stelldrähte sein. Was auch immer der Grund für eine Signalstörung ist, ein Sicherungssystem im Zug sorgt dafür, dass ein Zug stehen bleibt und erst wieder startet, wenn eine Weiterfahrt sicher ist.


Für den Fall, dass sich bei einer Signalstörung in dem Streckenblock vor uns kein Zug befindet, gibt es bestimmte Verfahren, um dennoch sicher weiterfahren zu können. So kann der Fahrdienstleiter im Stellwerk ein sogenanntes Ersatzsignal stellen oder aber er erteilt per Zugfunk die Genehmigung an uns Lokführer, das Signal zu passieren, obwohl es rot leuchtet. Damit es hier zu keinen Missverständnissen kommen kann, wird dieser Befehl, so die korrekte Bezeichnung der Genehmigung, von uns Triebfahrzeugführern exakt in einem Formular (s. Foto) notiert, mündlich wiederholt und durch den Fahrdienstleiter bestätigt. Das dauert natürlich seine Zeit. Anschließend kann es sein, dass wir nur mit reduzierter Geschwindigkeit den Streckenblock passieren dürfen, wodurch weitere Verzögerungen möglich sind. Da bleibt nur zu hoffen, dass nicht auch schon die Züge vor uns betroffen waren, weil es sonst auch schon mal zu einem Stau kommen kann.

Solche Verzögerungen sind ärgerlich, und auch wir würden sie gerne vermeiden. Aber die Sicherheit steht bei der Bahn an allererster Stelle und dafür tun u. a. die Fahrdienstleiter, die Disponenten und wir vorne an der Zugspitze alles. Und den Kaffee trinken wir, nachdem wir Sie sicher an Ihr Ziel gebracht haben.

Ihnen eine gute Fahrt und bis zum nächsten Mal!

Ihr Lokführer
Gordon

5 Kommentare
Fiete
#5 — vor 257 Tagen
Sehr gut geschriebener, kurzweiliger und lehrreicher Beitrag. Vielen Dank hierfür und weiter so.
Niklas
#4 — vor 267 Tagen
Hallo Gordon, danke für den tollen Beitrag! Sehr anschaulich erklärt auch für die, die nicht vom Fach sind ;)
Daniel
#3 — vor 268 Tagen
Hi Gordon, danke für den Beitrag, fand ich spannend und informativ!
Ich finde es auch besser 5 Minuten Verspätung zu haben als auf die Sicherheit zu verzichten :thumbsup
Jetzt müssen nur noch die lauten Druckluft Geräusche bei den FLIRT Zügen leiser werden damit das Mitfahren wieder Spaß macht :-)
Lieben Gruß und gute Fahrt!
Gordon
#2 — vor 268 Tagen
Hallo Felix,sehr gerne! Die Redaktion und ich freuen uns, wenn wir ein paar der vielen Fragen zur Eisenbahn beantworten können. Bis bald in der nordbahn und viele Grüße!
Felix
#1 — vor 270 Tagen
Hey Gordon,
danke für die Aufklärung! Der Artikel ist interessant und unterhaltsam :)