Was macht eine Leitstelle?

Das Gehirn des Bahnbetriebs

Entscheidungen treffen, Lösungen entwickeln und immer den Überblick behalten – Das ist das A und O in einer Leitstelle, der Organisationszentrale des Schienennahverkehrs und die wichtigste Koordinationsstelle für den Zugbetrieb.

Betritt man das Büro der Leitstelle, hat man das Gefühl, im Inneren eines Space Shuttles gelandet zu sein. Jeder Arbeitsplatz ist von mehreren großen Monitoren umringt, auf denen verzweigte Gleissysteme bunt blinken und komplizierte Tabellen die Augen jedes Excel-Liebhabers zum Leuchten bringen. Zwölf Leitstellen-Disponenten sorgen hier rund um die Uhr dafür, dass der Betrieb der nordbahn läuft.

„Auf den vielen Monitoren können wir die aktuelle Betriebslage genau überwachen."

„Wir sehen die exakten Positionen unserer Züge und können freie Fahrwege sowie gesperrte Streckenabschnitte erkennen“, erklärt Disponent Tobias. Da sich die Züge der nordbahn auf der Infrastruktur der Deutschen Bahn bewegen, befinden sich die Disponenten im ständigen Austausch mit den ortsansässigen Fahrdienstleitern. Diese koordinieren den Zugverkehr auf ihrem jeweiligen Streckenabschnitt und entscheiden darüber, wie die Signale stehen und welcher Zug wann fahren darf.


Neben der Disposition des Zugverkehrs zählen auch die kurzfristige Planung und Einteilung des Personals sowie die Sicherung von Anschlüssen am Bahnhof zu den täglichen Aufgaben eines Leitstellen-Disponenten. Außerdem sind sie verantwortlich für die Zuführung von Fahrzeugen in die Werkstatt, damit diese dort fristgerecht gewartet, gereinigt und repariert werden können. Da der Betrieb sorgfältig dokumentiert werden muss, erstellen sie auch Tagesberichte und pflegen Statistiken über Betriebsereignisse.

Ruhig bleiben, wenn es nicht ruhig ist!

Doch die Leitstelle ist besonders gefragt, wenn es mal nicht nach Plan läuft. „Krisenmanagement ist die wichtigste Aufgabe der Leitstelle! Kommt es beispielsweise zu einer kurzfristigen Streckensperrung, dann hat der Disponent eine wichtige Schlüsselposition“, so Leitstellenleiter Florian Gieseler.
Beispielsweise müssen Ausfälle und Verspätungen schnellstmöglich im internen Betriebssystem gepflegt werden, damit diese in den elektronischen Auskunftssystemem abgebildet sind. Kommunikation ist das Wichtigste in solchen Situationen! Sowohl die Kommunikation nach draußen, als auch der Austausch von Informationen zwischen den Triebfahrzeugführern und anderen Betriebsstellen der Deutschen Bahn spielen eine entscheidende Rolle.

Damit ihr bei einer Großstörung trotzdem an euer Ziel kommt, übernehmen die Disponenten auch die Organisation eines kurzfristigen Ersatzverkehrs. In diesem Fall werden Busunternehmen angefragt, die dann schnellstmöglich die verfügbaren Fahrzeuge zu den betroffenen Bahnhöfen schicken. Je nach Busverfügbarkeit und Anreiseweg kann das leider einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Busse tatsächlich vor Ort sind.
Wenn die Strecke wieder freigegeben ist und der Verkehr wieder anläuft, koordiniert der Disponent die Züge und sorgt dafür, dass am Ende des Tages bestenfalls alle Fahrzeuge an dem Ort stehen, wo sie am nächsten Tag wieder für den Regelbetrieb benötigt werden. 

„Entscheidungen müssen mittels Erfahrung und Sachverstand sofort getroffen werden."

Da diese ganzen Aufgaben möglichst schnell und trotzdem effizient abgearbeitet werden müssen, sind Stressresistenz und ein kühler Kopf gefragt. „Entscheidungen müssen mittels Erfahrung und Sachverstand sofort getroffen werden. Es muss dann vor allem entschlossen und konsequent gehandelt werden. Im Nachhinein werden diese Betriebsereignisse ausgewertet und Lehren für die Zukunft gezogen.“, so Florian.
Langweilig wird es in unserer Leitstelle also nicht. Denn neben den täglichen Routinen wissen unsere Disponenten nie, was der Tag auf der Schiene so mit sich bringt.